Einzelhandel Fallstudie: Cleor

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Cleor, ein führender französischer Schmuckhändler, verwaltet jährlich nahezu eine Million Schmuckstücke in mehr als 50 Filialen. Mit Tausenden von Artikeln und hochwertigen Waren waren die manuellen, barcodebasierten Prozesse für Wareneingang, Versand und Inventur zeitaufwendig und fehleranfällig.

Um die Effizienz und Bestandsgenauigkeit zu verbessern, implementierte Cleor eine RFID-Lösung in seinem Distributionszentrum und seinen Filialen. Das System ermöglicht eine automatisierte Versand- und Wareneingangsprüfung, schnellere Inventuren sowie eine bessere Transparenz entlang der Lieferkette. Dadurch wird der manuelle Aufwand reduziert und das Verkaufspersonal kann sich stärker auf die Kundenbetreuung konzentrieren.

Herausforderung

Mit nahezu einer Million Schmuckstücken pro Jahr verwaltet Cleor mehr als 10.000 verschiedene Artikel (SKUs) von Lieferanten aus aller Welt. Die Lieferanten senden ihre Waren an das zentrale Distributionszentrum von Cleor in der Nähe von Paris, wobei bis zu 100 Schmuckstücke gemeinsam in Kunststoffbeuteln verpackt werden. Die Mitarbeiter im Wareneingang prüfen jeden Beutel, um sicherzustellen, dass der Inhalt mit der Bestellung übereinstimmt. Anschließend werden sowohl das Lagerverwaltungssystem als auch das ERP-System des Unternehmens aktualisiert.

Aufgrund des hohen Warenwerts beliefert Cleor seine Filialen regelmäßig mit Nachschub, der typischerweise in kleineren Beuteln mit 20 bis 30 Schmuckstücken verpackt ist. Bei Wareneingängen in den Filialen müssen die Mitarbeiter die Lieferung mit der Bestellung abgleichen und den korrekten Platz für die Präsentation der Ware bestimmen – eine Herausforderung angesichts der großen Anzahl unterschiedlicher Artikel. Darüber hinaus legt Cleor großen Wert auf eine einheitliche Warenpräsentation, um das charakteristische Erscheinungsbild seiner Filialen zu erhalten.

Zur Verwaltung der Waren setzte Cleor ursprünglich eine Barcode-Lösung ein. Aufgrund der geringen Größe der Schmuckstücke mussten sehr kleine Etiketten mit entsprechend kleinen Barcodes verwendet werden. Da Barcodes eine direkte Sichtverbindung zum Lesegerät erfordern, war das Erfassen von Artikeln in Vitrinen oder in Beuteln besonders aufwendig.

Aufgrund des hohen Warenwerts, der Vielzahl unterschiedlicher Artikel und gesetzlicher Anforderungen mussten die Mitarbeiter regelmäßig Inventuren durchführen. Dazu mussten die Schmuckstücke einzeln aus den Vitrinen entnommen, gescannt und anschließend wieder an ihren Platz zurückgelegt werden. Dieser zeitintensive Prozess erhöhte die Handhabung der Ware und damit das Risiko von Beschädigungen, während gleichzeitig weniger Zeit für den Verkauf zur Verfügung stand.

Da viele Filialen nur ein bis zwei Mitarbeiter beschäftigen, war häufig eine Person vollständig mit Inventuraufgaben beschäftigt, was sich negativ auf den Kundenservice auswirkte.

Auf der Suche nach Möglichkeiten zur Verbesserung der Bestandskontrolle wurde Cleor auf die RFID-Technologie aufmerksam. Die positiven Ergebnisse der ersten Tests überzeugten das Unternehmen, sämtliche Produkte mit RFID-Tags auszustatten, um die Effizienz und Genauigkeit der Logistikprozesse im gesamten Unternehmen zu verbessern.

Nach der Bewertung verschiedener Anbieter entschied sich Cleor für Frequentiel als Systemintegrator. Das französische Unternehmen verfügt über umfangreiche RFID-Erfahrung. Frequentiel arbeitete mit Tageos, einem Hersteller von RFID-Labels und Antennen, zusammen, um die benötigten Antennen zu entwickeln. Als stationäre Lesegeräte kamen Impinj Speedway Revolution Reader zum Einsatz, während für mobile Anwendungen Psion Teklogix Handheld-Reader mit Impinj Indy Reader-Chips ausgewählt wurden.


Lösung

Das Team von Frequentiel und Tageos entwickelte eine umfassende RFID-Lösung auf Basis von Standardhardware von Impinj und Psion Teklogix, ergänzt durch kundenspezifische Software und Middleware, speziell entwickelte Antennen sowie RFID-Druck- und Codiersysteme von Toshiba.

Distributionszentrum / Lager

Die Eigenschaften der Schmuckartikel stellten besondere Anforderungen an die RFID-Tags. Die Etiketten mussten klein und optisch ansprechend sein, was die Auswahl geeigneter Tags einschränkte. Dadurch stiegen gleichzeitig die Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der Reader und Antennen. Standardantennen waren für diese Anwendung nicht ausreichend, weshalb eine speziell entwickelte Lösung erforderlich war.

Die größte Herausforderung bestand im Wareneingang des Distributionszentrums. Dort mussten bis zu 100 kleine RFID-Tags an metallischen Schmuckstücken innerhalb eines Beutels erfasst werden, ohne gleichzeitig Tags außerhalb des Beutels zu lesen. Für diese Anwendung entwickelte Tageos die sogenannte „Cube“-Antenne. Sie besteht aus mehreren Antennenelementen in einem Gehäuse und ermöglicht das Erfassen von Tags aus allen Richtungen.

In Kombination mit dem leistungsstarken Impinj Speedway Revolution Reader konnten komplette Beutel mit Schmuckstücken erfasst werden, ohne die einzelnen Artikel herausnehmen zu müssen. Die Mitarbeiter legen den gesamten Beutel in die Cube-Antenne, woraufhin alle enthaltenen Artikel automatisch gelesen und dem Bestand zugeordnet werden. Die Automatisierung des Wareneingangs reduzierte den Prüfaufwand erheblich und führte zu einer höheren Genauigkeit sowie deutlichen Kosteneinsparungen.

Ein weiterer RFID-Lesepunkt befindet sich im Versandbereich des Distributionszentrums. Nachdem die Mitarbeiter die Bestellungen für die einzelnen Filialen zusammengestellt haben, werden die Sendungen überprüft. Für das Lesen von 20 bis 30 Schmuckstücken in einem kleineren Kunststoffbeutel entwickelte Tageos eine spezielle Mattenantenne.

Nach dem Kommissionieren wird der gesamte Beutel auf die Antennenmatte gelegt. Die enthaltenen Artikel werden automatisch vom Impinj Reader erfasst und mit der Bestellung abgeglichen, um die Vollständigkeit und Richtigkeit der Sendung sicherzustellen.

Aktuell setzt Cleor im Distributionszentrum rund ein Dutzend Kombinationen aus Impinj Readern und Tageos Antennen ein.

Filialbetrieb

Frequentiel verwendet dieselbe Kombination aus Mattenantenne und Impinj Reader, um Wareneingänge in den Filialen zu prüfen. Da keine separaten Lagerflächen vorhanden sind, erfolgt die Überprüfung der Lieferungen direkt am Point of Sale. Die begrenzten Platzverhältnisse erforderten einen kompakten Reader sowie eine unauffällige Antennenlösung. Der Impinj Speedway Revolution Reader erfüllte diese Anforderungen, während sich die flache Tageos-Mattenantenne ideal für den Einsatz in den Filialen eignete.

Da Frequentiel eine Schnittstelle zwischen den Readern und dem bestehenden ERP-System von Cleor entwickelte, können die Mitarbeiter dieselbe Hardware auch für Verkaufsprozesse nutzen. Datenschutzbedenken bestehen nicht, da die RFID-Tags beim Verkauf entfernt und entsorgt werden. Jede Filiale wurde mit einer Kombination aus Impinj Reader und Tageos-Mattenantenne ausgestattet. Insgesamt sind mehr als 50 dieser Systeme im Einsatz. Wie bereits im Distributionszentrum führte RFID auch in den Filialen zu einer deutlichen Reduzierung des Zeitaufwands für die Wareneingangsprüfung und zu einer höheren Bestandsgenauigkeit.

Inventur

Die beiden Hauptziele des Inventurprozesses bei Cleor sind die Überprüfung der Bestandsmengen sowie die Lokalisierung einzelner Artikel. Für diese Aufgabe entschied sich Frequentiel für den Einsatz eines mobilen Handheld-Readers von Psion Teklogix, der den Anschluss externer Antennen unterstützt. Um einzelne Schmuckstücke eindeutig identifizieren zu können, wurde die Lesereichweite auf maximal 5 cm begrenzt. Tageos entwickelte hierfür eine spezielle Kurzstrecken-Paddelantenne, während Frequentiel die zugehörige Software bereitstellte.

Für die Inventur müssen die Mitarbeiter die Schmuckstücke nicht mehr aus den Vitrinen entnehmen. Stattdessen führen sie die Antenne über die ausgestellten Artikel. Während des Lesevorgangs zeigt das Handheld ein Bild des jeweiligen Produkts an, sodass die Identifikation überprüft werden kann. Treten Unstimmigkeiten auf, unterstützt die Software die Mitarbeiter bei der Fehlerbehebung.

Die Auswirkungen auf die Inventurprozesse waren erheblich. Eine Inventur, die zuvor vier Arbeitstage in Anspruch nahm, kann nun in etwa vier Stunden durchgeführt werden. Darüber hinaus konnte Cleor Fehlbestände reduzieren, die Bestandsgenauigkeit erhöhen und die Lagerbestände insgesamt optimieren. Gleichzeitig wurde eine Steigerung der Verkaufszahlen beobachtet.

RFID-Tag-Codierung

Frequentiel setzte Toshiba Druck- und Codiersysteme ein, um RFID-fähige Etiketten zu erstellen. Jedes Etikett erhält dabei eine eindeutige Identifikationsnummer. Eine solche Serialisierung auf Einzelartikelebene ist mit herkömmlichen Barcodes nicht möglich.

Im Distributionszentrum von Cleor werden mehrere Toshiba Druck- und Codiersysteme für die Etikettenerstellung eingesetzt. Da zunehmend Lieferanten ihre Produkte bereits an der Quelle mit RFID-Tags versehen, kommen dieselben Systeme inzwischen auch bei den Lieferanten zum Einsatz.

Projektverlauf

Das Cleor-Projekt wurde in nur acht Monaten von der Auswahl der RFID-Tags bis zur Einführung in den ersten zehn Filialen umgesetzt. Tageos entwickelte die anwendungsspezifischen Antennen, während Frequentiel die Hardwareintegration und Softwareentwicklung übernahm. Dazu gehörten die Entwicklung der Handheld-Anwendung, die Integration der Reader-Technologie sowie die Anbindung an das bestehende ERP-System von Cleor in Zusammenarbeit mit Odeis.

Dank der einfachen Installation der Impinj Reader und Handhelds war der Schulungsaufwand gering. Nach der Schulung von zwei Mitarbeitern übernahmen diese die weitere Ausbildung ihrer Kollegen.


Ergebnisse

  • Hohe Genauigkeit bei Wareneingang und Versand: RFID automatisiert die Erfassung kompletter Beutel und reduziert Fehler in den Logistikprozessen.
  • Bis zu 90 % Zeitersparnis bei Inventuren: Inventuren, die zuvor vier Tage dauerten, können nun in etwa vier Stunden durchgeführt werden.
  • Weniger manuelle Handhabung: Schmuckstücke können gelesen werden, ohne sie aus den Vitrinen zu entnehmen.
  • Effizientere Filialprozesse: Mitarbeiter verbringen mehr Zeit mit Kunden und weniger Zeit mit Bestandskontrollen.
  • Höhere Transparenz: Cleor verfügt über eine bessere Kontrolle über den Warenfluss entlang der gesamten Lieferkette.

Fazit

Durch die Einführung von RFID konnte Cleor seine Logistik- und Bestandsprozesse deutlich optimieren. Die Lösung reduzierte Kosten, erhöhte die Effizienz und verbesserte die Bestandsgenauigkeit, ohne Kompromisse bei der Warenpräsentation oder dem Kundenerlebnis einzugehen. Mit der skalierbaren RFID-Infrastruktur verfügt Cleor über eine solide Grundlage für weiteres Wachstum.


Über Cleor

Cleor ist eine französische Schmuckhandelskette, die 1997 mit einer einzigen Filiale gegründet wurde. Durch die frühzeitige Erkennung von Trends, ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis und die Positionierung von Schmuck als modisches Accessoire konnte das Unternehmen schnell wachsen. Heute betreibt Cleor mehr als 50 Filialen, vor allem in Paris sowie im Norden und Westen Frankreichs, und setzt seinen Expansionskurs kontinuierlich fort.

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